Dein Bad-Check für deine Hormone
Du achtest auf dein Essen, und trotzdem gibst du dir jeden Tag Stoffe auf die Haut, die im Verdacht stehen, auf dein Hormonsystem zu wirken. In diesem Guide findest du, warum Achseln, Gesicht und Intimbereich die wichtigsten Stellen sind, welche Wörter auf der Rückseite du kennen solltest, womit du sie ersetzt und wie du dein Bad in zehn Minuten mit dem Handy durchcheckst. Ohne Panik und ohne, dass du alles wegwerfen musst.
Warum gerade Achseln, Gesicht und Intimbereich
Deine Haut ist keine dichte Wand, und sie ist auch nicht überall gleich. Stell dir mal vor, du streichst dieselbe Creme einmal auf den Unterarm und einmal auf die Stirn. Schon in den 1960er Jahren haben Forscher gemessen: Je nach Körperstelle kommt unterschiedlich viel durch die Haut. An Stirn und Achseln deutlich mehr als am Unterarm.
Für den Intimbereich gibt es eine eigene Messung: Bei Frauen wurde über die Haut der Vulva mehr von einem Testwirkstoff aufgenommen als über den Unterarm. Das heißt, die Stellen mit dünner, gut durchbluteter Haut sind genau die, an die wir jeden Tag Deo, Creme, Binden und feuchtes Toilettenpapier lassen.
Dazu kommt: Gereizte Haut schützt schlechter. Frisch rasierte Achseln sind so ein Fall. Deshalb rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), aluminiumhaltige Antitranspirantien nicht direkt nach der Rasur oder auf verletzter Haut zu benutzen. Wir halten das in der Praxis bei jedem Deo so.
Quellen: Feldmann und Maibach, J Invest Dermatol 1967; Oriba, Bucks und Maibach, Br J Dermatol 1996; BfR-Stellungnahme 045/2023
Was „hormonell wirksam“ heißt, ehrlich eingeordnet
Fachleute sprechen von endokrinen Disruptoren, also Stoffen, die von außen in dein Hormonsystem eingreifen und dadurch schaden können. So definieren es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen.
Ehrlich dazu
Für die meisten Stoffe in Kosmetik gibt es einen Verdacht, aber keinen Beweis, dass sie in den erlaubten Mengen bei Menschen Beschwerden machen. Die EU bewertet Kosmetik-Inhaltsstoffe und hat mehrere davon nach genau dieser Prüfung eingeschränkt oder verboten, zum Beispiel einige Parabene und UV-Filter. Was erlaubt ist, gilt bei den Behörden in dieser Menge als sicher.
Warum wir trotzdem hinschauen: Du benutzt nicht ein Produkt, sondern viele, jeden Tag, über Jahre. Was du einfach weglassen kannst, musst du nicht auf die Summe draufpacken. Das ist Vorsorge, keine Diagnose.
Quelle: WHO und UNEP, State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals 2012
Die Wörter auf der Rückseite
Die Inhaltsstoffe stehen auf der Packung nach Menge sortiert, das Erste ist das Meiste. Sie heißen dort auf Englisch oder Latein (INCI-Namen). Diese Wörter lohnen einen zweiten Blick.
Alles mit „-paraben“
Parabene sind Konservierungsstoffe. Die EU hat 2014 fünf Parabene ganz verboten und Propylparaben und Butylparaben auf eine niedrige Höchstmenge begrenzt. In Pflegeprodukten für den Windelbereich von Kleinkindern sind die beiden ganz verboten. Butylparaben hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) 2020 wegen seiner hormonellen Wirkung als besonders besorgniserregend eingestuft.
Methylparaben und Ethylparaben gelten bei den Behörden als weniger bedenklich. Wenn du vorsorglich ganz verzichten willst, achte auf jedes Wort mit „-paraben“.
Quellen: Verordnung (EU) Nr. 358/2014; Verordnung (EU) Nr. 1004/2014; ECHA-Kandidatenliste, Juni 2020
Chemische UV-Filter
Benzophenone-3 (auch Oxybenzone) und Homosalate hat die EU 2022 stärker eingeschränkt, nachdem mögliche hormonelle Wirkungen geprüft wurden. Homosalate ist seitdem nur noch in Gesichtsprodukten erlaubt. Auch Octocrylene wurde dabei begrenzt. Du findest sie oft in Tagescremes mit Lichtschutzfaktor.
Die Alternative sind mineralische Filter: Zinc Oxide und Titanium Dioxide. Nimm sie lieber als Creme statt als Spray, damit du nichts einatmest.
Quellen: Verordnung (EU) 2022/1176; Verordnung (EU) 2022/2195
Triclosan
Ein antibakterieller Stoff, der früher in vielen Deos, Seifen und Zahnpasten steckte. Die EU erlaubt ihn nur noch in wenigen Produkten und in kleiner Menge, unter anderem in Deos, die kein Spray sind. Für ein Deo brauchst du ihn nicht.
Quelle: Verordnung (EU) Nr. 358/2014
Parfum oder Fragrance
Hinter diesem einen Wort können viele einzelne Duftstoffe stecken, welche genau, steht meist nicht auf der Packung. Bekannt sind Duftstoffe vor allem als Auslöser für Allergien und Hautreizungen. Gerade im Intimbereich ist parfümfrei deshalb die sicherste Wahl.
Zone für Zone: prüfen und ersetzen
Achseln: dein Deo
Prüfen: Parabene, Triclosan, Parfum.
Ersetzen: ein Deo ohne diese Stoffe, gern parfümfrei oder zertifizierte Naturkosmetik. Und wenn du dich rasierst: lieber abends rasieren und das Deo erst am nächsten Morgen auftragen.
Und Aluminium? Das ist ein eigenes Thema und hat mit Hormonen nichts zu tun. Das BfR schätzt das Risiko durch aluminiumhaltige Antitranspirantien nach heutigem Wissen als sehr niedrig ein. Es rät nur, sie nicht direkt nach der Rasur zu benutzen.
Quelle: BfR-Stellungnahme 045/2023
Intimbereich: Binden, Tampons, feuchtes Toilettenpapier
Eine Binde trägst du viele Stunden am Stück, ein paar Tage jeden Monat, an der Stelle, an der deine Haut am meisten aufnimmt. Eine Studie aus den USA hat in Binden, Slipeinlagen, Tampons und feuchten Tüchern Weichmacher (Phthalate) und Parabene gefunden. Ehrlich dazu: Es waren US-Produkte, und ob die Mengen gesundheitlich eine Rolle spielen, zeigt die Studie nicht.
Prüfen: Duft („Parfum“, „mit Frischeduft“), Parabene in feuchtem Toilettenpapier und Intimwaschlotion.
Ersetzen: Binden und Tampons aus Bio-Baumwolle ohne Duft, eine Menstruationstasse aus medizinischem Silikon, waschbare Binden oder Periodenunterwäsche. Statt feuchtem Toilettenpapier einfach normales Papier mit etwas Wasser. Für den Intimbereich reicht in der Regel Wasser.
Quelle: Gao und Kannan, Environ Int 2020
Gesicht: deine Tagescreme
Prüfen: chemische UV-Filter wie Benzophenone-3 und Homosalate, Parabene, Parfum.
Ersetzen: eine Tagescreme mit mineralischem Filter (Zinc Oxide, Titanium Dioxide) oder ohne Lichtschutzfaktor, wenn du im Winter kaum draußen bist, und für die Sonne eine mineralische Sonnencreme.
Sonnenschutz bitte nicht weglassen
Es geht um die Wahl des Filters, nicht darum, auf Schutz vor der Sonne zu verzichten. Sonnenbrand ist für deine Haut das größere Risiko.
Kein Grund, alles wegzuwerfen
Prüf jetzt, tausch später. Wenn ein Produkt leer ist, kommt das bessere nach. Zertifizierte Naturkosmetik (zum Beispiel mit NATRUE- oder COSMOS-Siegel) verzichtet auf viele der Stoffe oben. Parfümfrei ist sie aber nicht automatisch: Auch ätherische Öle können empfindliche Haut reizen.
So checkst du dein Bad mit dem Handy
Du musst die Wörter nicht auswendig lernen. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat eine kostenlose App dafür.
ToxFox laden
Kostenlos für iPhone und Android, im App Store oder bei Google Play.
Barcode scannen
Halt die Kamera auf den Strichcode von Deo, Tagescreme, Duschgel und Intimpflege.
Ergebnis lesen
Die App zeigt dir, ob hormonell wirksame Stoffe, Mikroplastik oder Nanopartikel enthalten sind.
Nicht drin? Selbst lesen
Manche Produkte, vor allem Eigenmarken, kennt die App nicht. Dann nimm den Spickzettel unten und lies die Rückseite selbst.
Quelle: BUND, ToxFox (bund.net/toxfox), abgerufen am 02.11.2026
Dein Spickzettel für die Drogerie
MEIN BAD-CHECK Auf der Rückseite genauer hinschauen bei: - Propylparaben, Butylparaben (und alles mit "-paraben") - Benzophenone-3 / Oxybenzone - Homosalate - Octocrylene - Triclosan - Parfum / Fragrance (vor allem im Intimbereich) Lieber nehmen: - Deo ohne Parabene, Triclosan und Parfum - nach dem Rasieren erst später eincremen - Binden/Tampons aus Bio-Baumwolle ohne Duft, Menstruationstasse, Periodenunterwäsche - Tagescreme mit Zinc Oxide oder Titanium Dioxide - normales Toilettenpapier statt feuchtem Meine Produkte: Deo: ... Tagescreme: ... Binden/Tampons: ... Intimpflege: ... Duschgel: ...
Dein Bad ist gecheckt. Und jetzt?
Das Bad ist ein Baustein, den du selbst in der Hand hast. Wenn dein Zyklus trotzdem Probleme macht, steckt meist mehr dahinter: Schilddrüse, Nährstoffe, Darm, Stress. Genau das schauen wir uns in unserer Praxis mit dir zusammen an.
So kommst du zu einem TerminKurz zusammengefasst
An Achseln, Gesicht und Intimbereich nimmt deine Haut mehr auf als anderswo, und gereizte Haut schützt schlechter. Parabene, einige chemische UV-Filter und Triclosan hat die EU wegen möglicher hormoneller Wirkungen eingeschränkt. Ein Beweis, dass sie in erlaubten Mengen Beschwerden machen, fehlt. Weglassen kostet dich aber wenig. Scann deine Produkte mit ToxFox, tausch nach und nach und lass den Sonnenschutz nicht weg.

Du willst wissen, was bei dir dahintersteckt?
Dieser Guide zeigt dir, was häufig hinter Zyklusbeschwerden und Hormonthemen steckt. Was es bei dir ist, kann er dir nicht sagen. Dafür muss man sich deine Geschichte anschauen: wie dein Zyklus läuft, wie es um Schilddrüse, Eisen und Darm steht, was dich im Alltag belastet und was du schon umgestellt hast.
Genau das machen wir in unserer Coaching- und Heilpraktikerpraxis in Hilzingen am Bodensee oder online. Hormone, PMS und zyklusbedingte Beschwerden gehören zu unseren Schwerpunkten. Dabei schauen wir nicht nur auf die einzelne Beschwerde, sondern darauf, wie alles im Alltag zusammenspielt.
So läuft's
Du schreibst uns über das Kontaktformular. Ein paar Sätze zu deinen Beschwerden reichen.
Wir melden uns bei dir und machen einen Termin aus, in der Praxis oder online.
Im Termin schauen wir uns deine Beschwerden in Ruhe an. Deinen ausgefüllten Spickzettel bringst du einfach mit.
Du landest im Kontaktformular auf yourbesthealth.de. Schreib bei „Nachricht“ kurz „Bad-Check-Guide“ dazu, dann wissen wir gleich, worum es geht.
Die Untersuchung bei deiner Frauenärztin ersetzt das nicht. Beides ergänzt sich gut.
Quellen
- Feldmann RJ, Maibach HI. Regional variation in percutaneous penetration of 14C cortisol in man. J Invest Dermatol. 1967;48(2):181-183. PubMed
- Oriba HA, Bucks DA, Maibach HI. Percutaneous absorption of hydrocortisone and testosterone on the vulva and forearm: effect of the menopause and site. Br J Dermatol. 1996;134(2):229-233. PubMed
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Aluminiumhaltige Antitranspirantien, Stellungnahme 045/2023 vom 6. Oktober 2023. bfr.bund.de
- Bergman Å, Heindel JJ, Jobling S, Kidd KA, Zoeller RT (Hrsg.). State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals 2012. WHO und UNEP, 2013. who.int
- Verordnung (EU) Nr. 358/2014 der Kommission vom 9. April 2014 (Parabene, Triclosan). EUR-Lex
- Verordnung (EU) Nr. 1004/2014 der Kommission vom 18. September 2014 (Propyl- und Butylparaben). EUR-Lex
- Europäische Chemikalienagentur (ECHA). Aufnahme von Butylparaben in die Kandidatenliste besonders besorgniserregender Stoffe, 25. Juni 2020. echa.europa.eu
- Verordnung (EU) 2022/1176 der Kommission vom 7. Juli 2022 (Benzophenone-3, Octocrylene). EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2022/2195 der Kommission vom 10. November 2022 (unter anderem Homosalate). EUR-Lex
- Gao CJ, Kannan K. Phthalates, bisphenols, parabens, and triclocarban in feminine hygiene products from the United States and their implications for human exposure. Environ Int. 2020;136:105465. DOI
- BUND. ToxFox: Der Produkt-Check. bund.net
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